Die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen
Carl Ludwig Loreck malte zutiefst fasziniert von der Natur Landschaften in einem romantisch-lyrischen Stil. Sein Werk umfasst über 3.000 Ölgemälde und Aquarelle, die er fast alle verkauft hat, weitgehend ohne am zeitgenössischen Kunstbetrieb teilzuhaben. Es gab zahlreiche Sammler, die die Gemälde direkt aus seinem Atelier erwarben. Bis heute hängen nicht nur im Landkreis Garmisch-Partenkirchen zahlreiche „Lorecks“ in den Häusern. Er war zu seiner Lebenszeit ein geachteter und überaus erfolgreicher Maler.
Das Werk von Rolf Cavael dagegen war von Anfang an von der Abstraktion geprägt; in der NS-Zeit wurde er daher mit Ausstellungsverbot belegt und durfte nur im Verborgenen malen. Früh schon stand er mit Kandinsky im Briefwechsel und war später Mitbegründer der Künstlergruppe ZEN 49 – er ist derjenige der drei Maler, der zur künstlerischen Avantgarde gehörte, damit den Zeitgeist des Kunstbetriebs am stärksten verkörperte und bis heute überregional bekannt ist.
Hans-Otto Buchner arbeitete lange Zeit als Gebrauchsgrafiker wie auch Cavael und kam erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach Garmisch-Partenkirchen. Anders als die beiden anderen Maler setzte er seine Motive in verschiedensten Stilen als auch Techniken und Materialien um. Er wollte sich bewusst keinem Stil verpflichten, sondern suchte auf seinen zahlreichen Reisen in den Süden das künstlerische Abenteuer in stetiger Wandlung. Erst wenige Jahre vor seinem Tod fand er zu einer eigenen Handschrift.
Nachdenken über Kunst
So verschieden die Werke von Carl Ludwig Loreck, Rolf Cavael und Hans-Buchner waren, sie alle schufen qualitativ hochwertige Gemälde und Papier-Arbeiten. Ebenso waren alle drei aus tiefster Seele Künstler. Das Kunstschaffen war für sie Berufung, Lebenselixier, innere Notwendigkeit. Nach der Zäsur der NS-Zeit und des Zweiten Weltkriegs arbeiteten sie in der jungen Bundesrepublik als freischaffende Künstler. Sie lebten im Laufe ihres Lebens lange Zeit in Garmisch-Partenkirchen. Alle drei fanden ihre Nische und ihr eigenes Publikum. Dennoch sehen die Antworten auf Fragen nach der Kunst und dem Kunstbetrieb ihrer Zeit bei den drei Malern entschieden anders aus: Warum faszinieren Kunstwerke? Wie wichtig ist dabei die Persönlichkeit des Künstlers? Wie sieht ein sogenanntes Künstlerleben im 20. Jahrhundert in Deutschland aus? Was für Kunst kaufte man sich in der Nachkriegszeit und hängte sie in seine privaten Räumlichkeiten? Macht Kunst die Produzenten und die Rezipienten „glücklich“? Die Ausstellung bietet einen Überblick über das Schaffen der drei Künstler und arbeitet ihre individuelle Position heraus. Durch diese Gegenüberstellung gewinnen die drei Gesamtwerke in ihrer Abgrenzung. eine neue Tiefenschärfe Sie stehen geradezu paradigmatisch für die verschiedenen Entwicklungen der Kunst in Deutschland nach 1945.



